Forensische Gesichtsweichteilrekonstruktion
Forensische Gesichtsweichteilrekonstruktion

Die zeichnerische Rekonstruktion im LKA Sachsen-Anhalt

Für kriminalistische Zwecke ist meines Erachtens die zeichnerische Gesichtsweichteilrekonstruktion die beste Variante, da bei keiner anderen Variante der Rekonstruktionen, so exakt und detailliert auf die individuellen Merkmale des Schädels eingegangen werden kann.


Nachdem der Rekonstrukteur aus dem Obduktionsbericht und den Fotos vom Auffindeort die wesentlichen Informationen zum Fall zusammengetragen hat, legt er die Weichteildicken für die unbekannte Person fest. Diese Weichteilstärken wurden an lebenden Personen für unterschiedliche Altersstufen und Konstitutionstypen wissenschaftlich ermittelt und zeigen an, wie dick die Weichteil-gewebe des Gesichtes zwischen Schädel- und Hautoberfläche sind.

Für jeden unbekannten Toten werden dann seine "persönlichen" Weichteildicken geschnitten und auf dem Originalschädel des Toten befestigt. Dieser vorbereitete Schädel wird fotografiert, im Maßstab 1 zu 1 ausgedruckt und auf eine Zeichenunterlage gelegt. Darüber kommt ein Blatt Transparentpapier, auf dem die Rekonstruktion entlang der Weichteilmarken und nach weiteren Vorgaben des Schädels gezeichnet wird.

 

Die hohe Individualität wird dadurch gewährleistet, dass der Schädel während des gesamten Prozesses ständig sichtbar ist und zusätzlich zum genauen Betrachten und Abtasten im Original vor dem Rekonstrukteur steht. Dadurch kann jede individuelle Kontur, Asymmetrie oder Aufwölbung (wie z.B. Stirnhöcker) direkt in die Zeichnung übertragen und ein optimales Ergebnis erzielt werden.

Ein weiterer Vorteil ist, dass eine Zeichnung viel Spielraum für Fantasie lässt und die Zeugen eher zu einer Wiedererkennung anregt, als ein fotorealistisches Endprodukt.

 

Die Anfertigung einer zeichnerischen Gesichtsweichteilrekonstruktion im LKA Sachsen-Anhalt benötigt etwa 5 Tage Arbeitszeit.
Derzeit liegt die Anzahl erfolgreich identifizierter Personen nach der zeichnerischen Rekonstruktion bei ca. 50%, wobei es sich bei den Nichtidentifizierten meist um vermutlich nicht sesshafte Personen handelte oder um Personen, die wahrscheinlich aus dem Ausland stammten.

Bildquellen: Dipl.-Ing. (FH) Steffi Burrath

 

 

 

Veröffentlichungen zum Thema:

 

Kriminalbiologie: Biologische Spurenkunde 1 
Herausgeber: Bernd Herrmann & Klaus-Steffen Saternus
(Kapitel 7:  Rekonstruktion der Gesichtsweichteile auf dem Schädel

Autorin: Steffi Burrath), Springer-Verlag/ISBN: 3540711104

 

Forensic Art and Illustration
Autorin: Karen T. Taylor, CRC Press LLC/ISBN: 0-8493-8118-5

 

Forensic Facial Reconstruction
Autorin: Caroline Wilkinson, Cambridge University Press/ISBN: 0521090121

 

Facial Reconstuction - Gesichtsweichteilrekonstruktion
Herausgeber: T. M. Buzug; K.-M. Sigl; J. Bongartz; K.Prüfer (Eds.), Luchterhand-Fachverlag/ISBN: 978-3-472-06884-6

 

Visuelle Personenidentifizierung und polizeiliche Personenbeschreibung
Autorin: Steffi Burrath, Verlag für Polizeiwissenschaft/ISBN: 978-3-86676-087-5

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Informationsseite Zur Gesichtsweichteilrekonstruktion im LKA Sachsen-Anhalt Autorin: Dipl.-Ing. (FH) Steffi Burrath